Autorin

Beate Klepper

Geboren 1965 in Coburg
Lebt in München
Zwei Kinder

Berufung? Zweifel – tausend Einfälle

Ob ich „berufen“ bin, weiß ich nicht. Ich versuche, meinen Talenten, Begabungen und Interessen gerecht zu werden. Vielleicht hätte ich auch Gärtnerin oder Fotografin werden können. Gemalt habe ich auch eine Zeit lang. Dabei merkte ich, dass es „nicht reicht“ – also mein persönliches Interesse an dieser Art, mich zu äußern.
Das Schreiben von Büchern ist somit für mich keine weltbewegende Berufung, sondern ein Umsetzen von Interessen und der Neigung, Geschichten zu erzählen. Mein spezielles Interesse an historischen Personen führte mich zur Romanbiografie und zum historischen Roman.

Trotzdem bleiben Zweifel. – Sie sind auch Antrieb, etwas zu gestalten. Wie kann ich dieses Thema umsetzen? – Finde ich hierfür die richtige Sprache?

So kann ich meinem Wunsch, einen Teufel in einem historischen Roman auftreten zu lassen, für mich zwar gutheißen, doch Zweifel haben, ob dies für die Leser nicht fragwürdig erscheint – und überhaupt: kann ich das? Bin ich mit solchen Erzählelementen vertraut, ist es sinnvoll, in einem barocken Umfeld den Glauben an die Hölle so bildlich darzustellen? Wie binde ich dies ein? Was bringt es dem Roman?

Wie finde ich den Stoff für meine Romane?

Mir begegnet eine historische Person, z.B. Maria Stechard in Lichtenbergs Briefen. Mein Interesse wird geweckt. Ich muss prüfen, ob eine literarische Umsetzbarkeit für mich da ist:
Bin ich auf diese Person innerlich vorbereitet und geneigt, Zeit und Umfeld der Person erkunden?
Wenn ja, dann beginnt die eigentliche Arbeit.
Dies heißt zunächst: Material sammeln. Was gibt es noch, was ich nicht wusste? Was ist am Leben der Person in einem Roman einzufangen, wie die Szenen und Schauplätze auszumalen? Dies findet sich normalerweise nicht in den offensichtlichen Quellen über diese Person direkt. Im Falle der Maria Stechard wären dies nur zwei oder drei Briefe Lichtenbergs gewesen.
Dazu muss ich das Umfeld, die allgemeinen Lebensbedingungen der Menschen in ähnlicher Situation, in der gleichen Zeit, möglichst im selben Ort erforschen.

Wird es ein Roman?

Die Auskunft „Roman“ auf einem Buch sagt: Hier ist Platz für Phantasie und Gestaltung. Das trifft es wohl sehr gut, was ich am Schreiben belletristischer Texte reizvoll finde.
Ich sehe zunächst Bilder vor mir, die handelnden Protagonisten, in Dialogen oder Handlungen, beim Küssen, Essen oder Arbeiten. Ich bin eben ein Kind der Fernsehgeneration. Das ist durchaus positiv gemeint.
Bilder regen an. Die Bilder müssen als Text kondensiert werden. Dabei finde ich es nicht entscheidend, dem Leser exakt möglichst genau meine Bilder vor Augen zu führen. Es geht mir vielmehr um ein Lebensgefühl, eine Stimmung, die Situation innerhalb der jeweiligen historischen Lebensumstände, die ich vermitteln möchte. Der Extrakt, das Surrogat eines Lebens, so möchte ich es gerade im Falle einer Romanbiografie nennen, wie ich es bei Maria Stechard und Minna Jaeglé versuchte herauszudestillieren. Die Frage ist: Was kann der Leser aus einer Romanbiografie mehr mitnehmen als aus einer reinen Sachbiografie?

Bei einem neuen Thema, an dem ich gerade arbeite, habe ich mir die Aufgabe gestellt, aus dem sehr einseitig tradierten Bild des üblen, betrügerischen Goldmachers einen Schelm zu formen, einen lebensfrohen barocken Lebenskünstler, was ich nebenbei gesagt, für den glaubwürdigeren und historisch treffenderen Charakter halte.

Zu dem, was mich am Schreiben anregt, gehört auch die Freude zu sehen, wie weit ich selbst an mir arbeite, wie ich mich weiter entwickle, den Stil ändere, auf das Thema eingehe, mich diesem anpasse, bzw. dafür den stimmigen Ton finde.
Und dann bleibt die größte Freude am Schreiben: die Leser zu erreichen.

Über jede Rückmeldung freue ich mich.

Beate Klepper